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SAJ Gruppe Hohenlimburg 1928

Die "Jugendbewegung" hat eine spezifisch deutsche "Klangfarbe". Sowohl die "Wandervogelzeit" vor dem Ersten Weltkrieg als auch die "bündische Phase" und schließlich ihre "Restgeschichte" nach 1945 können gleichsam als ein "Mikrokosmos" innerhalb der katastrophenreichen deutschen Geschichte verstanden werden, deren erste Hälfte nicht zuletzt von nationalen Blickverengungen, zugleich aber auch von dem Bemühen, diese zu überwinden, gekennzeichnet war.

Anna Siemsen

Pädagogische Ideen entfalten ihre Wirkung in der Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Zielen sie auf deren Umgestaltung, bleiben sie nicht nur in den Kontext geistiger und sozialer Bewegungen ihrer Zeit eingebunden, sondern weisen über diesen hinaus und können neue Perspektiven in der Wahrnehmung jeweils aktueller historischer Situationen aufzeigen. Das Werk einzelner Pädagoginnen und Pädagogen, mit seinen biografischen, kultur- und rezeptionsgeschichtlichen Implikationen, eröffnet dabei Selbstverständigungs- und Reflexionsmöglichkeiten im Spannungsfeld von Aktualisierung und Historisierung.

Im Rahmen der 2006 gestarteten Landesinitiative Substanzerhalt wird das Archiv der Arbeiterjugendbewegung in Oer-Erkenschwick entsäuert und zukunftssicherer gemacht. Die Landesinitiative bezuschusst die Entsäuerungskosten nichtstaatlicher Archive mit 70 Prozent. Neben der Entsäuerung der Dokumente durch den Dienstleister, werden die Logistik, Vor und Nachbereitungsarbeiten und Qualitätskontrolle von den Mitarbeitern des Projektes übernommen.

Das Archiv der Arbeiterjugendbewegung in Oer-Erkenschwick hat sich 2009 zur Teilnahme für 2010 angemeldet. Entsprechend dieser Anmeldung wurde ein Vororttermin vereinbart, um den Ablauf zu besprechen und einen Bestand zu bestimmen, der für die Entsäuerung geeignet ist. Es wurde beschlossen, einige Originale aus der Zwischenkriegszeit, Teile von Beständen der SJD – Die Falken und des Bestands Peter Weiß entsäuern zu lassen. Die Entsäuerung der Bestände war nötig geworden, da die Unterlagen aus ligninhaltigem Papier bestehen.

Die deutsche Arbeiterjugendbewegung entstand zu Beginn des vorigen Jahrhunderts. 1904 gründeten junge Sozialdemokraten Arbeiterjugendvereine mit dem Ziel, junge Menschen für die Ideale der Arbeiterbewegung zu gewinnen, auf ihre elende soziale Lage aufmerksam zu machen und sie im Geiste des Antimilitarismus zu bilden. Sie wollten im Rahmen der Arbeiterbewegung für ihre Interessen kämpfen. 1907 schlossen sie sich der Internationalen Verbindung sozialistischer Jugendorganisationen an. Im 1. Weltkrieg spaltete sich die Arbeiterjugendbewegung.

europaDie Organisation von Kindern und Jugendlichen in fest strukturierten Gruppen auch innerhalb der Arbeiterjugendbewegung scheint so selbstverständlich zu sein, dass eine grundlegende historische Betrachtung des Phänomens der Gruppe – so weit zu sehen ist – bislang nicht vorliegt. Stellenwert und Rolle der Gruppe haben sowohl in der Geschichtsschreibung zur sozialistischen Jugendbewegung (Arbeiterjugendbewegung, Reichsarbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde und Sozialistische Jugend Deutschlands »Die Falken«) als auch in den vorliegenden Schriften zur Theorie und Praxis der sozialistischen Jugendarbeit nur im Zusammenhang spezifischer Fragestellungen eine Reflexion oder Kommentierung erfahren. Beispiele dafür sind Themen, wie sie etwa die Gruppenarbeit oder die Zeltlagerpädagogik betreffen, um nur diese zu nennen. Der dabei benutzte Begriff der Gruppe schien über die Zeiten hinweg unverändert zu sein.

Jede demokratische Gesellschaft braucht eine große Zahl von Menschen, die politisch denken und handeln können. Sie sind für eine Demokratie notwendig – zum Überleben notwendig und sie wachsen nicht auf Bäumen, sondern in der Jugendgruppe. Diesen Satz hat einmal Heinrich Eppe, ehemaliger Leiter des Archivs der Arbeiterjugendbewegung, geprägt. Und er gilt nach wie vor. Trotzdem erleben wir seit Jahren eine Tendenz zur menschlichen Einzellösung, zur so genannten Individualisierung.

Individualisierung – Weg zur Emanzipation oder Vehikel neoliberaler Ideologie?

Der Begriff »Individualisierung« wurde Anfang der Achtzigerjahre von dem Soziologen Ulrich Beck geprägt, um die veränderten sozialen Lebensumstände in westlichen Gesellschaften hin zu mehr persönlicher Freiheit und der Möglichkeit von selbstbestimmteren Lebensstilen zu beschreiben.1 Individualisierung steht somit für ein Plus in Sachen freier Entfaltung und individueller Lebensgestaltung: Althergebrachte Klassenschranken und Zugangsbarrieren zu bestimmten Berufen fallen, traditionelle Geschlechterrollen weichen auf, homosexuelle Beziehungen werden auf breiter Front akzeptiert und parallel wandeln sich elterliche Erziehungsziele von Unterordnung in Richtung Selbständigkeit. So weit, so gut! Aber die Individualisierung hat auch ihre Schattenseiten.

AJT Berlin 1979Und diese treten in Verbindung mit einem globalen Turbokapitalismus immer deutlicher hervor. So ist ein neoliberaler Zeitgeist entstanden, dessen Leitbild das »unternehmerische Selbst« ist. Jeder – so wird mit dem Bild des Unternehmers suggeriert – kann seine soziale Position verbessern, wenn er unternehmerisch handelt, sich der Konkurrenz stellt, biografisch flexibel ist und seine Kompetenzen optimiert. Oder umgekehrt: Wer sich in einer prekären Lebenslage befindet, ist selbst schuld. Die Folgen dieses neuen Menschenbildes sind überzogenes Konkurrenz- und Leistungsdenken und der Verlust sozialer Bindungen. Nachfolgende Entwicklungen untermauern diese Gesellschaftsdiagnose. Was ehemals als Normalarbeitsverhältnis galt, ist heute eher die Ausnahme. Leih- und Zeitarbeit sind die Regel.

Von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern wird immer mehr Flexibilität verlangt, die sich als »eine bestimmende Marktideologie« erweist. Diese kurzfristigen Zeitstrukturen der Arbeitswelt setzen sich im Privatleben fort. Wer auf der Suche nach Arbeit häufig den Wohnort wechseln muss, kann kaum tiefgehende Freundschaften und zwischenmenschliche Bindungen pflegen. Wissenschaftler wie der Soziologe Richard Sennett warnen vor dieser Entwicklung: »›Nichts Langfristiges‹ desorientiert auf lange Sicht jedes Handeln, löst die Bindungen von Vertrauen und Verpflichtung und untergräbt die wichtigsten Elemente der Selbstachtung«.

Unter diesen Bedingungen werden nicht zuletzt die Solidarisierung von Menschen in gleichen Lebensumständen und die Formierung von (Protest-)Bewegungen erschwert. Gerade auch in der Verbandsarbeit ist diese Entwicklung wahrnehmbar: Aktivitäten und Angebote von Kinder- und Jugendverbänden sind zwar nach wie vor gefragt, werden aber oft nur kurzfristig konsumiert. Angesichts stetig wachsender Leistungsanforderungen auf dem Arbeitsmarkt steigt der Erwartungsdruck auf Kinder und Jugendliche. Schon im Kindergarten, aber insbesondere an Schulen und Hochschulen nimmt der Leistungsdruck zu.

Die kommende Generation soll fit gemacht werden für den globalen Wettbewerb. Bildung wird auf ökonomisch verwertbare Kompetenzen reduziert. In Rankings wie PISA wird die Qualität des Humankapitals überwacht. Immer mehr Stoff muss in immer kürzerer Zeit gelernt werden. Schulpsychologen machen schon jetzt darauf aufmerksam, dass Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, aber auch die Eltern unter einem kaum noch zu bewältigenden Stress leiden. Nicht selten führt der Leistungsdruck zum Missbrauch von Medikamenten und Drogen.

Kinder und Jugendliche wachsen in einem Klima des Konkurrenzkampfes auf. Durchsetzungsfähigkeit und Härte (auch gegen sich selbst) werden belohnt. Aufklärung, Emanzipation und Solidarität – Grundwerte einer demokratischen Gesellschaft – spielen in der Erziehung kaum mehr eine Rolle. Freizeitaktivitäten, die nicht dazu dienen, ökonomisch verwertbare Kompetenzen zu erwerben, werden als vermeintlich nutzlos abqualifiziert. Deshalb werden Freiräume immer knapper, in denen Kinder und Jugendliche individuelle Neigungen und Talente entdecken und entwickeln können. Als Argument für die durchorganisierten Tagesabläufe wird oft die Verrohung und Verwahrlosung von Jugendlichen ins Feld geführt. Dabei fehlt dieser Annahme jegliche empirische Basis.

Es wird deutlich: Von der erhofften Auflösung der Klassenschranken durch die Individualisierung kann keine Rede sein. Im Gegenteil: Die »verborgenen Mechanismen der Macht« wirken in veränderter Form ungehindert weiter und verstärken dabei die Kluft zwischen Arm und Reich. Statt zur erhofften Emanzipation und Selbstbestimmung führen die aktuellen Entwicklungen zu Isolation, Leistungsdruck und Konkurrenzdenken. Biografiemanagement – in dem Wort ist das ökonomistische Denken bereits eingelagert – wird zur Grundanforderung der Lebensführung deklariert: »Der geforderte Persönlichkeitstypus des marktgängigen, geographisch mobilen, beruflich flexiblen und privat ungebundenen ›employable man‹ bzw. des ›unternehmerischen Selbst‹ spiegelt direkt die Grundzüge des neoliberalen Wirtschafts- und Gesellschaftsmodells wider. Die ›Logik‹ des Kapitals, seine Tendenz zur totalen Unterwerfung allen Lebens unter das Warenverhältnis und zur Verdinglichung der sozialen Beziehungen, scheint endgültig zu triumphieren, und zwar weltweit.«zeltlager

Vor diesem Hintergrund mutiert Individualisierung mehr und mehr zum Vehikel für die Durchsetzung einer neoliberalen Gesellschaftsordnung, in der Menschen in erster Linie den Verwertungsinteressen des Kapitals unterworfen sind. Unter solchen Vorzeichen muss »Subjektivität […] nützlich werden, nicht ein Element des Widerstands bieten, sie muss – so widersinnig das erscheint – von Freiheit und Autonomie befreit sein.«

Damit ist die Diagnose gestellt. Aber was kann ein Kinder- und Jugendverband dem entgegen setzen? Einerseits können Jugendverbände die negativen Folgen der Individualisierung auffangen, weil viele junge Menschen in einem Jugendverband eine soziale Einbettung finden. Andererseits zeigt die Forschung, dass Jugendliche immer seltener bereit sind, sich längerfristig in Parteien, Gewerkschaften, Vereinen und Verbänden zu engagieren.


Mission: Gegenwelterfahrung in der Gruppe

Dabei belegen die Untersuchungen auch, dass sich Jugendliche insbesondere dann in Verbänden engagieren, wenn sie eine Chance sehen, »ihre Vorstellungen dort direkt umzusetzen, ernst genommen zu werden und interessante Leute kennen lernen zu können.« Will man die negativen Folgen der Individualisierung bekämpfen, müssen diese positiven Potenziale der Jugendverbandsarbeit gestärkt und Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit gegeben werden, eine andere Welt als den neoliberalen Kapitalismus zu erfahren; quasi eine Gegenwelt, in der Kinder und Jugendliche …

… Individualität frei entfalten können – und das in einem Umfeld, das geprägt ist von gegenseitigem Respekt;

…Gemeinsamkeit, Demokratie und Solidarität lernen;

…freiwillig und selbstorganisiert Beziehungen eingehen können, die ihren Bedürfnissen und Interessen gerecht werden;

…Freiräume für eine selbstbestimmte Freizeitgestaltung finden, in der »Kindheit« und »Jugend« wirklich gelebt werden können.

Weiterhin stellt sich die Frage nach einem passenden Ort bzw. Rahmen. Hier weist der Blick in die Vergangenheit die Richtung: Für den Kinder- und Jugendverband SJD – Die Falken sind gemeinsame Aktivitäten von Kinder- und Jugendgruppen die Basis. In der Verbandshistorie lässt sich dies bis zur Gründung der ersten Arbeiterjugendorganisationen zurückverfolgen. Ob bei den Lehrlings- und Gruppen junger Arbeiter und Arbeiterinnen während des Kaiserreichs oder bei den Kinderfreunden und der Sozialistischen Arbeiter-Jugend (SAJ) in der Weimarer Zeit: Die Gruppe war stets die wichtigste Form der Jugendarbeit. Kurt Löwenstein, der die sozialistische Kinder- und Jugendarbeit intensiv geprägt hat, betrachtete die Gruppenarbeit als Basis der sozialistischen Erziehung.

Sie war aber von Anfang an nicht nur Ort der geselligen Freizeitgestaltung, sondern auch Ort der Erziehung zur Demokratie. Für Gruppen sind Freundschaft, Engagement und Sinnhaftigkeit eng miteinander verbunden. Das Gemeinschaftsgefühl wird in Zeltlagern, bei Ausflügen oder durch regelmäßige Gruppentreffen hergestellt und gestärkt. Hier erleben Kinder und Jugendliche Freiraum ohne Zweckbindung, weil sie ihre gemeinsame Zeit selbstbestimmt gestalten. Dabei halten sie Meinungsverschiedenheiten aus, entwickeln gemeinsame Positionen und treffen Entscheidungen für die Gruppe. So wird Demokratie gelebt. Dieser Aspekt spielte bereits bei dem historischen Vorläufer der heutigen Zeltlager, der Kinderrepublik Seekamp im Jahr 1927, eine große Rolle. Die Kinderrepubliken waren – dies wird schon durch den Namen deutlich – der Erziehung zur Demokratie verpflichtet. Dabei war Demokratie

 mehr als eine Staatsform, in der Bürger durch Wahlen auf die Politik Einfluss nehmen können. Vielmehr wurde Demokratie von Anfang an als eine umfassende Lebensform verstanden, die im Freundeskreis, in der Familie, in der Schule, im Betrieb und natürlich auch im Verband tagtäglich zur Geltung kommen muss. Mitspracherecht, Eigenverantwortlichkeit und Partizipation von Kindern und Jugendlichen bei der Gestaltung von Zeltlagern und Gruppenangeboten versteht sich bei den Falken von selbst. Damit leistet die Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken ihren Beitrag zu Demokratie und Demokratisierung.

Vor diesem Hintergrund hat die SJD – Die Falken eine bundesweite Kampagne unter dem Slogan »Die Gruppe macht’s!« ins Leben gerufen. Damit sollte die positive Bedeutung von Gruppenarbeit für die Sozialisation von Kindern und Jugendlichen gerade in der heutigen Zeit deutlich gemacht werden. Denn es gibt ein anthropologisches Bedürfnis nach Miteinander, das für die Entwicklung von Menschen unbedingt notwenig ist. Sie »sind von früh an aufeinander verwiesen, gewissermaßen schon in den ersten Sekunden des Lebens, in der – wie sich heute dank der Bindungsforschung zeigt – Kindheit ebenso wie in der Jugend (was gegenwärtig gerne vergessen wird).« Dieser Tatbestand wird bei den Forderungen nach Flexibilität, Mobilität oder unternehmerischen Handeln und der individualistischen Konkurrenz in der Schule unterschlagen.


»Die Gruppe macht’s!« in der Tat

kampagnen 001 gruppe fullDie Kampagne »Die Gruppe macht’s!« wurde als Arbeitsvorhaben auf der Bundeskonferenz der SJD – Die Falken im Frühjahr 2009 beschlossen und sollte in drei Richtungen zielen. Die Bedeutung von Gruppenarbeit im Jugendverband sollte einer möglichst breiten Öffentlichkeit bewusst gemacht werden. Interessierte Jugendliche ohne Verbandszugehörigkeit sollten angesprochen und möglichst für eine längerfristige Mitarbeit in einer Falken-Jugendgruppe gewonnen werden. Den vielen ehrenamtlichen Gruppenhelferinnen und Gruppenhelfern im Kinder- und Jugendbereich der Falken sollten Anregungen und Handreichungen für ihre praktische (Gruppen)Arbeit vor Ort gegeben werden.

Die Kampagne sollte also sowohl in den Verband (verbandsintern) als auch außerhalb des Verbandes (verbandsextern) wirken. Für eine breitestmögliche Ansprache wurden klassische Presse- und Öffentlichkeitsarbeit mit den verbandseigenen Kommunikationswegen (Publikationen, Newsletter, Mailverteiler und persönliche Kontakte) kombiniert eingesetzt. Für Gliederungen, Ortsverbände und Gruppen und Interessierte wurden Materialien (einschließlich Informationen zur Durchführung von Öffentlichkeitsarbeit) auf der Internetseite des Bundesverbandes bereit gestellt. Informiert wurde über historische und theoretische Zusammenhänge der Gruppenarbeit, aber auch über praktische Aspekte der Gruppenarbeit, wie zum Beispiel Gründung, Finanzierung, Aktivitäten und pädagogische Aspekte.

Für die Kampagne »Die Gruppe macht’s!« sind zahlreiche Materialien über Gruppenarbeit entwickelt, gesammelt und unter didaktisch-methodischen Gesichtspunkten aufbereitet worden. Um den unterschiedlichen Begebenheiten vor Ort gerecht zu werden und den Interessierten möglichst viel Freiraum für eigene Ideen zu lassen, wurde die Kampagne »Die Gruppe macht’s!« als Baukastensystem konzipiert: Alle Interessierten, jede Gliederung, jede Gruppe sollte sich das Passende aus einem Angebots-Set aussuchen können. Um die Einzelaktionen der Kampagne »Die Gruppe macht’s!« zuordnen zu können, wurde eigens dafür ein Logo entwickelt. Dieses Logo diente dann als Klammer, um viele einzelne, selbstorganisierte Aktionen vor Ort zusammenzufügen.

Das Logo »Die Gruppe macht’s!« hat sich als Symbol mit einem hohen Wiedererkennungswert bewährt. Wichtige Bestandteile dieses Baukastens waren die »Gruppentasche« als Starter-Kit für sich neu gründende Gruppen und der sogenannte »Gruppenordner«, der – gefüllt mit Theorie, Anregungen und Spielideen zum Thema Gruppe – die Interessierten für die praktische Arbeit in und mit der Gruppe begeistern und unterstützen sollte. Erstmals präsentiert wurde der Gruppenordner im Rahmen des fünftägigen Events »Das Camp!« im Mai 2010 im niedersächsischen Langeleben, dem ersten Höhepunkt der Kampagne »Die Gruppe macht’s!«. Hier trafen sich mehrere Hundert Jugendliche aus ganz Deutschland zu einem pädagogischen Kongress in Zeltlageratmosphäre von und für Gruppenhelferinnen und -helfer. In den zahlreichen Workshops konnten sich junge Menschen über Ideen und Erfahrungen zur und mit Gruppenarbeit austauschen. Allgegenwärtig war der Song zur Kampagne, den eine Jugendgruppe in Vorbereitung für das Camp entwickelt hatte.


 »Die Gruppe macht’s!« vor Ort

Aus der Kampagne »Die Gruppe macht’s!« ist letztendlich ein Werkzeugkasten zur Gruppenarbeit geworden, aus dem sich die Akteure vor Ort selbstbestimmt und situationsbezogen bedienen können. Entsprechend unterschiedlich und vielfältig ist die Kampagne in den Gliederungen umgesetzt worden. Nachfolgend soll anhand konkreter Beispiele deutlich gemacht werden, wie die Kampagne vor Ort gewirkt hat. Zahlreiche Gliederungen setzen die Kampagnenmaterialien gezielt in der Schulung von ehrenamtlichen Gruppenhelferinnen und -helfern ein und arbeiten intensiv mit dem Gruppenordner als Bildungsmaterial für die Auseinandersetzung mit dem Wie und Warum von Gruppenarbeit. Die hessischen Falken haben die bundesweite Kampagne zum Anlass genommen, die eigene Situation vor Ort unter gesellschaftskritischen Aspekten genauer zu betrachten und aus diesen Erkenntnissen ein spezifisch regionales Konzept zu entwickeln.

In Sachsen wurden zeitlich parallel zur Kampagne mehrere Gruppen gegründet. Das gestiegene Interesse an Gruppenarbeit fiel mit einem Deutsch-Israelischen Jugendaustausch zusammen, in dessen Rahmen die Gruppenkonzepte der israelischen Schwesterorganisation diskutiert wurden. Die Gruppenarbeit hat somit einen zentralen Platz in der Arbeit des Landesverbandes Sachsen gefunden. Viele Gliederungen, in denen sich die Förderstruktur zugunsten der Projektarbeit und der Arbeit in Einrichtungen der offenen Tür entwickelt hat, signalisieren, dass die Kampagne für die Bewusstseinsbildung über den Wert von Gruppenarbeit und deren praktische Umsetzung sehr hilfreich ist.

Auch in das diesjährige Zeltlager »Train for Change« der internationalen Falkenbewegung IFM-SEI (International Falcon Movement – Socialist Educational International) wurde die Kampagne einbezogen. Die Gruppenarbeit wurde als weltweit wichtiger Bestandteil der Arbeit der IFM-SEI inhaltlich diskutiert und bearbeitet. Das Archiv der Arbeiterjugendbewegung wird sich auf seiner jährlichen Tagung im Frühjahr 2012 den vielfältigen Facetten und aktuellen Herausforderungen der Gruppenarbeit widmen.


Fazit: »Die Gruppe macht’s!« auch in Zukunft

gruppeEine ausführliche Evaluation der bundesweiten Kampagne der SJD – Die Falken »Die Gruppe macht’s!« ist erst für Mitte 2011 vorgesehen. Dennoch kann an dieser Stelle ein erstes Zwischenfazit gezogen werden. Dieses fällt positiv aus. Motto und Logo der Kampagne haben breite Akzeptanz gefunden und wurden intensiv in die Arbeit vor Ort einbezogen. Die vielen dezentralen Aktivitäten verdeutlichen, wie kreativ die Kampagne in der praktischen Arbeit vor Ort umgesetzt wird. Die SJD –Die Falken nimmt dies als Auftrag, die Kampagne weiter zu entwickeln.

Ein wichtiger Aspekt könnte dabei beispielsweise das Verhältnis von Individuum und Gruppen sein. »Die Gruppe macht’s!« wurde primär den positiven Seiten des Gruppenlebens gewidmet. Die Gruppe kann aber auch Spannungsfeld sein: Gruppendruck und Gruppendynamik sind hierfür Stichwörter. Das Leben in einer Gruppe verläuft nicht nur im Einklang. Nicht selten gibt es in Gruppen Interessenkonflikte, Meinungsverschiedenheiten und Streitereien. Auch diese Aspekte müssen thematisiert werden. Schließlich ist das Ziel nicht, eine Gruppe angepasster Individuen, sondern eine lebendige Gruppe, in der Meinungen aufeinander treffen, die interne Konflikte aushalten kann und sich der verordneten Fitness für globalen Wettbewerb ein Stück weit entzieht.

 von Barbara Klatzek, Eric Schley

 

 

 

workers youth festival poster

Mit der Abschlusszeremonie und einem großen Dank an die vielen überwiegend ehrenamtlichen Helfer*innen endete am 12.5.2013 das Workers Youth Festival in Dortmund. Vier Tage lang haben weit über 3000 junge Sozialist*innen internationale Soldarität gelebt.

Von der Größe des Festivals gaben am ersten Tag schon die Schlangen an der Akkreditierung und am Essenszelt einen Eindruck. In den Themenzelten wurde zu Schwerpunkten wie Feminismus, Bildung und „Alternatives Wirtschaften“ diskutiert. Vertreten war auch das Willy-Brandt-Center aus Jerusalem, das palästinensischen und israelischen Sozialisten einen Raum für Dialog und Weiterentwicklung bietet.

In der Vorbereitung haben die Organisatoren ganze Arbeit geleistet: In wenigen Tagen wurden 170 Schlafzelte mit Pritschen für die 2000 campenden Teilnehmer aufgebaut, außerdem zahlreiche größere Versammlungszelte und das Zelt des Kindergartens. Für die Kinder wurde neben Spielzeug und einem Bällebad auch eine Hüpfburg mitgebracht, die auch ältere Teilnehmern gerne benutzten.

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